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Und plötzlich war die Luft eng Mein Weg auf den höchsten Berg Afrikas

  • Autorenbild: Corinna Frank
    Corinna Frank
  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Spontan, wie ich bin, entschied ich mich nur knapp eine Woche vor einem meiner größten Abenteuer dazu, den Kilimandscharo zu besteigen.


Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich relativ am Anfang meiner Weltreise und in einer für mich sehr unangenehmen Situation. Eine Bekannte fragte mich, ob ich nach Tansania kommen wolle, um sie bei ihrem Projekt für hauptsächlich Frauen und Kinder zu unterstützen. Gesagt, getan: Von Italien aus buchte ich mir kurzerhand ein Flugticket nach Daressalam, die größte Stadt Tansanias, mit dem festen Vorhaben, dort Bedürftige zu unterstützen.


Naiv, wie ich damals noch war und vielleicht auch heute noch viel zu oft bin 🙈, hinterfragte ich nichts. Ich sollte bei ihr und ihrem damaligen Freund (ich glaube, sie sind mittlerweile verheiratet) wohnen. Für ein Zimmer mit eigenem Bad, Mitbenutzung von Küche, Wohnzimmer und Garten verlangten sie 850 € im Monat. Ich bezahlte sofort drei Monate im Voraus. Ein schwerer Fehler, wie sich später herausstellte.


Afrika war für mich Neuland. Okay, abgesehen von einem All-inclusive-Urlaub in Ägypten 😅. Sie hatte mir geschrieben, es gäbe einen Strand in der Nähe, den ich problemlos alleine besuchen könne. In Wirklichkeit entpuppte sich dieser Strand als Müllhalde. Jedes Mal, wenn ich ins Meer ging, berührte mich angeschwemmter Müll. Auch sonst empfand ich Daressalam als wenig ansprechend und vor allem als allein reisende Frau nicht besonders sicher.


Die meiste Zeit war ich allein im Haus und fühlte mich zunehmend eingesperrt. Anfangs gaben sie sich Mühe, doch ich fühlte mich nie als Gästin, sondern eher als gute Mieterin. Besonders bitter: Mit den Mieteinnahmen wurde sich umgehend ein Auto gekauft.


Nach knapp zwei Wochen, die sich für mich wie eine halbe Ewigkeit anfühlten, ging es endlich in ein Dorf, in dem seine Familie lebt und unterstützt wird.

Eigentlich wollte sie dort ein Projekt starten= der Grund, warum ich überhaupt gekommen war. Es ging um die Wasserversorgung im Dorf, die Menschen mussten wieder einen langen Weg auf sich nehmen um bei einem ausgetrockneten Flussbett nach Wasser zu graben. Weil der bereits durch Spenden erbaute Brunnen kaputt wurde.

Doch daraus wurde nichts. Stattdessen verbrachten wir genau eine Nacht im Dorf, machten ein paar Fotos und Videos für Social Media und fuhren anschließend noch in einen Nationalpark.


Danach ging es zurück nach Daressalam, und mir war klar: Hier möchte ich meine Zeit nicht absitzen. Also sagte ich ihnen, dass ich recherchiert habe und gerne auf den Kilimandscharo steigen und anschließend nach Sansibar reisen möchte.


Die Reaktion war völlig anders als erwartet. Mir wurden Vorwürfe gemacht, ich könne keine Rundumbetreuung erwarten, Verständnis gab es keines. Im Gegenteil! Mir wurde sogar gesagt, ich solle mich schämen, wenn ich in ein Land komme, um arme Menschen zu unterstützen, und nun die Miete zurückverlange. Ein sehr merkwürdiges Gefühl, wenn eine privilegierte weiße Person dir das sagt, während sie selbst in einem sauberen, prunkvollen Haus lebt, mitten in einer Gegend, in der Menschen auf der Straße schlafen.


Ich bestand lediglich auf mein Mietrecht. Da ich mich nicht länger in einem Haus aufhalten wollte, in dem ich mich offensichtlich ausgenutzt fühlte, suchte ich mir ein Hotel. Erst dort stellte ich fest, wie günstig man in Daressalam tatsächlich leben kann: ein sehr sauberes Hotel direkt am Strand, inklusive Frühstück, für unter 10 € pro Nacht.

Dort habe ich auch Ali und Eva kennengelernt, mit ihnen bin ich heute noch in Kontakt 🥰
Dort habe ich auch Ali und Eva kennengelernt, mit ihnen bin ich heute noch in Kontakt 🥰

Parallel begann ich, eine Tour auf den Kilimandscharo zu suchen.


Unsere Diskussionen gingen noch eine Zeit lang über WhatsApp weiter. Ich könnte hier Beweise vorlegen, verzichte aber darauf, da mir sonst mit einem Anwalt gedroht werden könnte. Diese Erfahrung hat mir jedoch eines deutlich gezeigt: Wir dürfen nicht blind jeder Organisation vertrauen. Leider gibt es immer Menschen, die sich am Ende selbst bereichern, auch mit Spenden 😟.


Immerhin bekam ich eine Monatsmiete zurück, obwohl ich nicht einmal einen ganzen Monat dort verbracht hatte. Doch meine Energie war mir zu kostbar, um weiter darum zu kämpfen. Und wie heißt es so schön: Vielleicht hat sie dieses Geld dringender gebraucht als ich.


Meine Recherche ergab, dass ich auf jeden Fall die längere Route wählen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war ich kaum gewandert und definitiv nicht trainiert. Ich hatte großes Glück: Ein Mann aus China hatte eigentlich eine Solo-Tour gebucht, war aber einverstanden, dass ich mich anschließe.


Ausrüstung? Hatte ich natürlich so gut wie keine. Ich reise mit Rucksack und meist in warme Länder. Dass es am Gipfel selbst in den afrikanischen Sommermonaten Minusgrade hat, war mir zwar bewusst, aber kein Problem. Alles, was ich brauchte, konnte ich mir ausleihen. Die gesamte Ausrüstung war im Preis von 2.800 € bereits inbegriffen.


Mit dem Mindset „Ich werde auf dem Uhuru Peak stehen“ ging es los.


Die ersten Tage waren erstaunlich einfach. Die Wege waren kaum herausfordernd, und wir erreichten die Camps schnell. Die Nächte hingegen waren brutal kalt. In meinem Zelt fror ich beinahe, denn Schlafsack und Zelt waren definitiv nicht für Minusgrade geeignet. Mein Guide hatte nur einen zusätzlichen Schlafsack dabei, und da auch mein Mitstreiter stark fror, überließ ich ihn ihm. Nach einer weiteren Nacht sollte ein neuer gebracht werden, denn nicht bei jeder Route gibt es für die Porter kurze Zustiege.

Ich, nach einer kalten Nacht im Zelt 😅
Ich, nach einer kalten Nacht im Zelt 😅

Apropos Porter: Diese Menschen sind unglaublich beeindruckend. Sie bauen die Camps erst ab, nachdem man selbst gegangen ist und noch bevor man im nächsten Camp ankommt, stehen die Zelte bereits wieder. Wir selbst tragen nur einen Tagesrucksack, während sie unser gesamtes Gepäck tragen.

Zusätzlich hatten wir ein Restaurantzelt, in dem wir drei- bis viermal täglich hervorragend bekocht wurden, auch vegan, völlig problemlos.🌱

Restaurantzelt
Restaurantzelt

Mein Guide meinte irgendwann, ich friere, weil ich alleine im Zelt schlafe, sie würden alle gemeinsam liegen und hätten es warm. Tja, das ließ ich mir nicht zweimal sagen 😅. Ich lernte am Berg einen Mann aus Salzburg kennen. Für ihn war es bereits die zweite Besteigung. Er ist Personal Trainer und begleitete eine Kundin, die kaum Englisch sprach. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich nicht nur warme, sondern ziemlich heiße Nächte 😉.


Am fünften Tag erreichten wir auf 4.673 m unser Basecamp. Von dort sollte es um Mitternacht auf den Gipfel gehen. Mein Mitstreiter hatte jedoch Probleme mit der Sauerstoffsättigung und entschied sich, nicht weiter aufzusteigen. Er blieb mit dem zweiten Guide zurück.


Also machten mein Guide und ich uns allein auf den Weg. Es war magisch und eiskalt 😅.

Aufstieg bei Vollmond 🌕
Aufstieg bei Vollmond 🌕

Wir waren schnell und überholten einige Gruppen, die früher gestartet waren. Doch etwa eine Stunde vor dem Gipfel verließ mich plötzlich die Kraft. Eine erdrückende Müdigkeit überkam mich – Sauerstoffmangel. Jeder Schritt fühlte sich unglaublich schwer an, und ich hatte das dringende Bedürfnis, mich einfach in den Schnee zu legen.


Wäre ich alleine gewesen, hätte das vermutlich mein Ende bedeutet. Doch mein Guide pushte mich und mein starkes Mindset ebenso. Und so stand ich um 6 Uhr morgens am Gipfel des Kilimandscharos, sogar eine Stunde früher als geplant. Kein Sonnenaufgang, gefrorene Haare 😂, aber oben.

Natürlich musste ich ein Video machen. Danach fühlten sich meine Finger an, als würden sie jeden Moment abfallen. Ob es sich gelohnt hat? Definitiv 😝, auch wenn man mein schlechtes Englisch besser ohne Ton hört 😉


Der Abstieg ging extrem schnell. „Trust your feet“, hörte ich meinen Guide sagen, während wir eine Schotterpiste hinunterrannten. Um 8 Uhr morgens waren wir zurück im Basecamp. Vier Stunden Schlaf, Mittagessen und dann erneut vier Stunden Abstieg.


Am letzten Tag verabschiedete uns der Berg mit Regen. Als wir schließlich wieder am Auto ankamen, waren wir einfach nur froh.

Hatten mich einfach ein Jahr älter gemacht 😅
Hatten mich einfach ein Jahr älter gemacht 😅

Zurück im Hotel wartete erst einmal die längste Dusche meines Lebens. 😍

Die Dusche am Berg 😉
Die Dusche am Berg 😉
Und die Toilette
Und die Toilette

Am Ende sagten mir beide Guides, ich hätte es auch mit einer kürzeren Route geschafft, doch so hatte ich mehr Zeit zur Akklimatisierung.


Ein Abenteuer, das ich nie vergessen werde und jedem von Herzen empfehlen kann.

Wenn du selbst darüber nachdenkst: Ich kann dir Rashid, meinen Guide, absolut ans Herz legen. Ich stehe bis heute mit ihm in Kontakt und er kennt diesen Berg wie kaum ein anderer. https://viewafricaadventures.com


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