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Linao: Ein kurzer Moment, ein großes 🖤

  • Autorenbild: Corinna Frank
    Corinna Frank
  • 29. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Die Geschichte von Linao, einer Straßenkatze aus Laos



Auf meinen Reisen begegne ich unzähligen Straßentieren. Und jedes Mal tue ich, was ich kann: Liebe geben, Nähe schenken, Futter kaufen, ein bisschen Wärme dort lassen, wo vorher keine war.

Ja, es ist nicht die Lösung.

Die Lösung wäre Kastration, Sterilisation, medizinische Versorgung und Organisationen vor Ort, die langfristig helfen. Aber manchmal, wenn man plötzlich einem kleinen Leben gegenübersteht, zählt nur dieser eine Moment.


Und so begann meine Geschichte mit Linao.



Ich war eigentlich nur unterwegs zu einem Tempel in Laos, als ich sie sah, eine viel zu dünne, viel zu kleine Katze. Vielleicht ein Jahr alt, vielleicht weniger.

Sie saß am Straßenrand, völlig erschöpft.

Ich setzte mich zu ihr, und ohne zu zögern sprang sie auf meinen Schoß, schmiegte sich an mich, suchte Schutz, Nähe, Hoffnung.

In diesem Moment wusste ich:

Ich kann sie hier nicht lassen.


Ich rief im Hotel an, einem Hotel, das eigentlich keine Tiere erlaubt.

Aber sie machten eine Ausnahme.

Ich durfte die Katze mitnehmen, musste nur selbst das Zimmer sauber halten.

Natürlich tat ich das gern.


Ich brachte die kleine Katze in mein Zimmer, badete sie vorsichtig, fragte im Hotel nach einem Tierarzt und sie organisierten einen für den nächsten Morgen. In dieser Nacht lag sie immer wieder auf mir, kroch unter meine Decke, miaute leise. Sie war immer noch schmutzig, erschöpft, aber so unfassbar lieb. Ich hoffte so sehr, dass etwas Hilfe ihr Leben retten könnte.


Am nächsten Morgen kam der Tierarzt ins Hotelzimmer, gab ihr mehrere Spritzen, sagte, sie brauche mich mindestens eine Woche.

Da er nur wenig Englisch sprach, verstand ich nicht alles, aber ich verstand genug: Er war besorgt.

Und wir stellten fest: Es war keine „sie“, sondern ein „er“.

Ich hatte ihn zuerst Lina genannt, mein Spitzname aus Vietnam, der „schöne Blume“ bedeutet.

Also wurde aus Lina dann Linao.



Das Hotel wurde von einer laotischen Familie geführt, und ihr kleiner Sohn verliebte sich sofort in Linao. Jedes Mal, wenn ich zurückkam, fragte er, ob er zu ihm dürfe.

Er wollte mit ihm spielen, ihm Gesellschaft leisten.

Und Linao liebte diese Aufmerksamkeit.


Doch im Laufe des Tages wurde es nicht besser, im Gegenteil.

Er wirkte schwächer, musste sich übergeben und im Erbrochenen befanden sich Würmer.

War es zu spät? Ich wusste es nicht.


Ich suchte nach einer zweiten Meinung, fand eine Tierärztin, nahm ein TukTuk und fuhr mit Linao dorthin.

Ich hatte inzwischen alles besorgt:

Einen Rucksack, um ihn auf meine Weiterreise mitzunehmen, ein Katzenklo, Futter und sogar überlegt, mit einer Freundin in Österreich zu klären, ob ihr Lebenshof ihn übernehmen könnte. Ich war bereit, zu bleiben, wenn er es brauchte.


Doch die Tierärztin sah ihn nur an, schüttelte den Kopf und zeigte mir, was der erste Tierarzt nicht gesehen hatte:

Linao war voller Eiter.

Unter den Pfoten.

Neben dem Anus.

Die Entzündungen waren so tief, dass sie drückte und der Eiter herauskam.

Sie sagte leise, dass es nicht mehr lange dauern würde.


Ich nahm ihn wieder mit ins Hotel.

Ich legte mich auf den Boden, holte ihn zu mir, und zum ersten Mal war alles still.

Er legte sich auf meine Brust, schlief ein, holte ein letztes Mal tief Luft und dann… war er weg. 🖤


Linao ist in meinen Armen gestorben.

Er ist nicht alleine, auf der Straße gestorben.

Und das ist das Einzige, das mir ein bisschen Frieden gibt.




Eine Tierschutzorganisation in Laos antwortete mir leider erst am Abend, als er schon tot war. Aber sie waren unglaublich lieb und organisierten am nächsten Morgen die Beisetzung.

Linao musste noch eine Nacht im Hotelzimmer bleiben.

Am nächsten Tag brachte ich ihn zur Organisation, die ihn würdevoll annahm. Auch die ganzen Sachen, die ich gekauft hatte, spendete ich dort.


Als ich zurück ins Hotel kam, stand der kleine Junge vor mir und fragte nach Linao.

Ich konnte es ihm nicht sagen.

Ich sagte nur: „Ich habe ihn weggebracht.“

Dann gab ich ihm Süßigkeiten.

Vielleicht nicht perfekt, aber in diesem Moment konnte ich den Schmerz einfach nicht aussprechen.



Diese Erfahrung hat mich wieder daran erinnert, wie schwer Tierschutz ist.

Wie viel Herz man gibt und wie oft es bricht.

Ich habe unendlichen Respekt vor Menschen, die das täglich tun.

Die retten, versorgen, begleiten, trösten.


Und ich möchte euch etwas ans Herz legen:

Wenn ihr ein Haustier wollt, bitte geht ins Tierheim.

Kauft keine Tiere.

Es gibt so viele, die schon leben, die auf euch warten, die einfach ein Zuhause brauchen.

Und vielleicht seid ihr genau für sie dieser eine Mensch, der sagt:

Ich lasse dich nicht allein. 💚

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