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Tantra-Party: Einmal und nie wieder

  • Autorenbild: Corinna Frank
    Corinna Frank
  • 13. Nov.
  • 3 Min. Lesezeit

Ich wurde vor einiger Zeit auf eine Tantra-Party eingeladen.

Neugierig, offen, interessiert, aber auch ein bisschen ahnungslos, was mich dort eigentlich erwarten würde.

Ich wollte wissen: Was ist Tantra wirklich?

Ich wollte verstehen, warum so viele Menschen davon schwärmen, von Energie, Nähe, Sinnlichkeit, Bewusstsein.

Und als ich in der Einladung las: „Keine sexuellen Handlungen“, dachte ich mir: Okay, das klingt sicher. Das kann ich wagen.

Ein großer Fehler, wie ich später feststellen musste.


Was Tantra eigentlich bedeutet


Tantra stammt ursprünglich aus Indien und ist eine spirituelle Lehre, die Körper, Geist und Seele miteinander verbinden möchte.

Im Kern geht es um Bewusstheit, Energie und Präsenz. Es geht darum, das Leben in seiner Ganzheit zu erfahren.

Es geht nicht um Sexualität an sich, sondern um Achtsamkeit im Kontakt mit sich selbst und mit anderen.

Leider ist Tantra im Westen oft stark sexualisiert worden.

Was ursprünglich spirituelle Praxis war, wird heute häufig zu einem sinnlich-erotischen Event, das mit dem ursprünglichen Tantra kaum noch etwas zu tun hat.



Der Anfang und erste Zweifel


Als die Party begann, war ich zunächst offen und neugierig.

Wir machten Atemübungen, begegneten uns mit Blickkontakt, hielten für Momente inne.

Doch schon bald kam die erste Übung, die mich irritierte:

Wir sollten üben, „wie eine Frau stöhnt“ und „wie ein Mann stöhnt“.

Diese klare Einteilung in nur zwei Geschlechter hat mich sofort getriggert.

Es schien, als gäbe es in diesem Raum keinen Platz für Vielfalt, keine Sensibilität für Menschen jenseits dieser binären Rollenbilder.

Das fühlte sich eng an. Und trotzdem blieb ich. Ich wollte ja verstehen, was Tantra sein kann.


Wenn Grenzen verschwimmen


Dann kam eine Übung, die „Wölkchen“ genannt wurde.

Wir bekamen Augenbinden, sollten uns sanft mit den Fingerspitzen berühren, achtsam, spielerisch, ohne Worte.

In der Theorie schön.

In der Praxis: leider nicht.

Denn bei mir blieb es nicht bei den Fingerspitzen.

Plötzlich spürte ich fremde Hände an meinen Hüften, an meinen Brüsten.

Ich war schockiert! In einem Moment, in dem ich eigentlich sicher sein sollte.

Zum Glück gab es Sicherheitspersonen, die das bemerkten und mich aus der Situation herausholten.

Aber der Moment war bereits passiert.

Und das Vertrauen, das ich anfangs hatte, war weg.


Alte Wunden, neue Auslöser


Was diese Situation noch schwieriger machte:

Ein paar Wochen zuvor hatte ich einen sexuellen Übergriff in einem Massagestudio erlebt von dem Masseur.

Deshalb war es für mich besonders belastend, als ich auf dieser Party hörte, dass es dort auch einen Massagebereich gab.

Ich wusste sofort: Da kann und will ich auf keinen Fall hin.

Ich entschied mich stattdessen für den Redebereich, um einfach mit Menschen zu sprechen und mich auszutauschen.


Konsens ist keine Kleinigkeit


Ich lernte dort einen Mann kennen.

Wir redeten, lachten, führten gute Gespräche.

Neben uns war ein anderer Mann, der mit einer Frau beschäftigt war, die das offensichtlich mochte.

Alles schien einvernehmlich, bis er plötzlich auch mich berührte.

Ungefragt. Unerwartet. Einfach so.


Ich zog mich zurück, schüttelte den Kopf, machte klar, dass ich das nicht wollte.

Der Mann, mit dem ich gesprochen hatte, griff nicht ein.

Später sagte er zu mir: „Du hättest deutlicher Nein sagen müssen.“


Aber das ist nicht richtig.

Es ist nicht meine Aufgabe, laut genug „Nein“ zu schreien, damit jemand meine Grenzen respektiert.

Es ist die Aufgabe des anderen, aufmerksam genug zu sein, um meine Signale wahrzunehmen, um Stille, Rückzug oder ein Kopfschütteln zu verstehen.


Konsens ist kein grauer Bereich.

Er ist klar.

Er bedeutet: Nur Ja heißt Ja.

Alles andere ist Nein.


Einmal und nie wieder


Am Ende habe ich die Party verlassen.

Nicht wütend, aber traurig.

Enttäuscht von einer Praxis, die eigentlich Achtsamkeit und Bewusstsein fördern will und stattdessen in vielen Momenten das Gegenteil gelebt hat.


Ich weiß, dass Tantra auch anders sein kann.

Dass es LehrerInnen gibt, die mit tiefem Respekt, Mitgefühl und Klarheit arbeiten.

Aber das, was ich dort erlebt habe, war kein Tantra.

Es war ein Raum, in dem Grenzen zu fließend waren, Konsens zu wenig beachtet wurde und Schutz zu spät kam.


Für mich steht fest:

Tantra-Party? Einmal und nie wieder.

Aber was ich mitgenommen habe, ist vielleicht noch wichtiger:

Ein tieferes Bewusstsein für meine eigenen Grenzen.

Und die Entschlossenheit, sie nie wieder zu übergehen! Weder von anderen, noch von mir selbst. 💚



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