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Wie, ich mache jetzt sexuellen Content auf OnlyFans?!

Autorenbild: Corinna Frank
Corinna Frank
vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

„Es war doch nur eine Frage der Zeit.“


Das werden jetzt vermutlich einige denken. Und wenn ich ehrlich bin: Ganz aus der Luft gegriffen ist der Gedanke vermutlich nicht.


Ich habe nie grundsätzlich ausgeschlossen, irgendwann sexuellen Content zu produzieren. Im Gegenteil: Ein Grund, warum ich jungen Menschen eher davon abrate, mit OnlyFans oder vergleichbaren Plattformen zu beginnen, ist genau das, was damit einhergeht: Digitale Inhalte lassen sich nach ihrer Veröffentlichung nur sehr schwer wieder vollständig kontrollieren.


„Einmal im Internet, für immer dort“ ist zwar etwas zugespitzt, technisch gesehen kann man Inhalte natürlich löschen und Plattformen können sie entfernen. Aber sobald Bilder oder Videos heruntergeladen, kopiert, weitergegeben oder auf anderen Seiten veröffentlicht wurden, kann die ursprüngliche Veröffentlichung ihre Kontrolle darüber verlieren. Bei mir kommt erschwerend hinzu, dass Inhalte von mir immer wieder unerlaubt geleakt werden. Was einmal außerhalb des ursprünglichen, vermeintlich geschützten Rahmens landet, kann Jahre später wieder auftauchen.



Das ist eine Entscheidung, die man treffen sollte, bevor man den ersten Upload macht, nicht erst danach.


Warum also jetzt doch?


Weil mein ursprüngliches Ziel eigentlich immer dasselbe geblieben ist: aufklären.


Und wenn man sich ein wenig intensiver mit Pornografie beschäftigt, stellt man ziemlich schnell fest, dass die Realität hinter den Hochglanzvideos wesentlich komplizierter ist, als es die meisten Konsument*innen vermutlich wahrnehmen.


Pornografie ist nicht einfach eine möglichst realistische Aufzeichnung von Sex. Sie ist ein produziertes Medienprodukt. Es gibt Darsteller*innen, Regie, Kameraperspektiven, Schnitt, Licht, Auswahlprozesse und bestimmte Erwartungen eines Marktes. Szenen können wiederholt, unterbrochen oder nachbearbeitet werden. Körper, Reaktionen und sexuelle Praktiken werden für die Kamera inszeniert.


Das Problem entsteht unter anderem dann, wenn Zuschauer*innen diese Inszenierung mit einer Dokumentation darüber verwechseln, wie Sex tatsächlich funktioniert.


Und genau darüber möchte ich sprechen.


Denn die klassische Mainstream-Pornografie hat über Jahrzehnte bestimmte Vorstellungen von Sexualität geprägt. Dabei wird weibliches sexuelles Erleben beispielsweise häufig weniger als eigenständiges Ziel dargestellt, sondern als Bestandteil einer Inszenierung, die sich primär an männlichen Wünschen orientiert. Gleichzeitig sind die Produktionsbedingungen der Branche nicht überall gleich und keineswegs jede Produktion funktioniert nach demselben Muster. Es gibt auch feministische, queer produzierte und stärker auf faire Arbeitsbedingungen ausgerichtete Pornografie.


Trotzdem wäre es naiv zu behaupten, die strukturellen Probleme der Branche würden dadurch verschwinden.


Gerade deshalb finde ich es wichtig, nicht einfach in „Pornografie ist gut“ oder „Pornografie ist schlecht“ zu denken.


Die interessantere Frage ist doch:


Was sehen wir eigentlich und warum sehen wir es?


Und jetzt komme ich selbst dazu.


Ja.


Ich werde auf OnlyFans sexuellen Content anbieten.


Und nein, ich glaube nicht, dass dadurch plötzlich alle Männer ausschließlich meine Videos anschauen und sämtliche anderen Pornos aus ihrem Leben verbannen werden. Das wäre ungefähr so realistisch, wie zu glauben, eine einzelne Person könnte im Alleingang die gesamte Fleisch- und Milchindustrie abschaffen.


Aber vielleicht kann ich einen kleinen Unterschied machen. 💚



Vielleicht kann ich zeigen, dass Sexualität nicht so funktioniert, wie sie in einem zehnminütigen Pornovideo dargestellt wird.


Dass echte Menschen nicht permanent geil sind.


Dass Lust nicht auf Knopfdruck funktioniert.


Dass Kommunikation dazugehört.


Dass Einvernehmlichkeit nicht einfach bedeutet, dass niemand „Nein“ gesagt hat.


Dass Körper unterschiedlich aussehen.


Dass sexuelle Reaktionen nicht immer spektakulär sind.


Und vor allem: Dass Pornografie und echter Sex zwei unterschiedliche Dinge sind.


Pornos können Fantasie, Unterhaltung oder sexuelle Stimulation sein. Sie können aber nicht automatisch als Anleitung für zwischenmenschliche Sexualität verstanden werden.


Und genau deshalb möchte ich nicht nur Content produzieren, sondern auch über das sprechen, was dahintersteht.


Über Pornokonsum.


Über Erwartungen an Körper.


Über sexuelle Kommunikation.


Über Einvernehmlichkeit.


Über Geschlechterrollen.


Über die Unterschiede zwischen inszenierter und gelebter Sexualität.


Und natürlich auch über die Widersprüche, die entstehen, wenn man selbst Teil dieser Industrie beziehungsweise dieses Marktes wird.


Aber ist es feministisch, sexuellen Content zu verkaufen?


Tja.


Sag du es mir. 😉


Ich kann jedenfalls sagen, warum ich persönlich darin keinen Widerspruch sehe.


Feminismus bedeutet für mich nicht, dass jede Frau dieselben Entscheidungen treffen muss, um „eine gute Feministin“ zu sein. Selbstbestimmung bedeutet aber auch nicht automatisch, dass jede Entscheidung allein dadurch feministisch wird, dass eine Frau sie freiwillig trifft.


Und genau da wird es spannend.


Denn die Debatte über Sexarbeit und feministische Pornografie ist seit Jahrzehnten umstritten. Die Positionen reichen von der Auffassung, dass sexuelle Selbstbestimmung und die bewusste Entscheidung für Sexarbeit Ausdruck individueller Autonomie sein können, bis hin zu der Kritik, dass solche Entscheidungen immer auch innerhalb gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und geschlechtlicher Machtstrukturen getroffen werden.


Beides kann man gleichzeitig ernst nehmen.


Ich kann mich frei für meinen Körper und meine Sexualität entscheiden und trotzdem anerkennen, dass diese Entscheidung in einem gesellschaftlichen System stattfindet, in dem Frauenkörper sexualisiert, bewertet und vermarktet werden.


Für mich ist genau dieser Widerspruch interessant.


Ich möchte nicht behaupten, dass OnlyFans automatisch feministisch ist.


Ich möchte aber genauso wenig behaupten, dass eine Frau ihre Selbstbestimmung verliert, sobald sie sich entscheidet, ihren Körper oder ihre Sexualität kommerziell zu zeigen.


Vielleicht ist die entscheidendere Frage deshalb gar nicht:


„Ist das feministisch?“


Sondern:


„Kann eine Frau eine solche Entscheidung selbstbestimmt treffen, ihre Konsequenzen verstehen und gleichzeitig kritisch hinterfragen, in welchem System diese Entscheidung stattfindet?“


Ich glaube: Ja.


Und genau darüber möchte ich mit euch sprechen.


Also ja:


Ich mache jetzt sexuellen Content auf OF und co.


Aber wenn ihr schon dafür bezahlt, dann bekommt ihr hoffentlich nicht nur nackte Haut, sondern auch ein bisschen Aufklärung dazu.


Deal? 😉

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